Die Fähigkeit, Probleme zu erkennen und zu lösen, machen einen wesentlichen Teil des Schulerfolges aus. Doch gerade diese Aufgaben, die nicht nur das mechanische Anwenden eines vorgegebenen Schemas fordern, sondern eigenständiges Denken, sind bei vielen Schülern und Schülerinnen unbeliebt - nicht zuletzt darum, weil ein allgemeines Problemlösungsverfahren, das sich auf alle Fächer und alle Fälle anwenden lässt, kaum je gelehrt und systematisch geübt wird.
Hier ist ein Vorschlag für ein solches allgemeines Problemlösungsverfahren, das bei genauer Anwendung aller Schritte die Chance wesentlich erhöht, den Kern des Problems zu erkennen und Lösungen zu formulieren.
Das Ziel festzulegen, scheint eine Selbstverständlichkeit zu sein, und in den meisten Fällen ist die Frage in der Aufgabe schon klar formuliert.
Dennoch kommt es erstaunlich häufig vor, dass während des ARbeitens das Ziel aus den Augen verloren wird. SchülerInnen nehmen irgend ein Verfahren, und rechnen oder schreiben irgend etwas - oft kluge und gute Dinge - nur passen sie eben nicht zur Frage, sondern gehen am Thema vorbei.
Es ist deshalb wichtig, sich das Ziel klar bewusst zu machen und sich während des Arbeitens immer wieder zu vergewissern, dass man dem Ziel auch tatsächlich folgt.
Mit etwas Übung wird der Schritt der Faktensammlung und der Schritt der Darstellung des Problems oft gleichzeitig durchgeführt werden. Bei schwierigeren und unübersichtlichen Aufgabenstellungen kann es sich lohnen, die beiden Schritte getrennt durchzuführen.
Eine geeignete Darstellung des Problems zu finden, trägt oft wesentlich dazu bei, die Lösung zu finden, da die Beziehungen zwischen den einzelnen Elementen klar werden. Mögliche verschiedene Darstellungen einer Aufgabe sind:
Gerade Skizzen sind häufig sehr nützlich - ein Bild ist anschaulich und sagt tatsächlich oft mehr als tausend Worte.
Der nächste Schritt ist, die nötigen Werkzeuge zusammenzustellen, die für die Lösung der Aufgabe nützlich sein könnten. Werkzeuge können sein:
Jetzt, da alles vorbereitet ist, geht es an die eigentliche Arbeit: die Anwendung des Werkzeugs. Suchen Sie sich ein Werkzeug aus, von dem Sie das Gefühl haben, dass es mit dem kleinsten Aufwand die grösste Wirkung zeigt. Wenden Sie das Werkzeug an. Tragen Sie Zwischenergebnisse in die Darstellung der Aufgabe ein, sodass Sie Ihre Fortschritte sehen.
Wenn die Möglichkeiten eines Werkzeugs erschöpft sind, wenden Sie die anderen Werkzeuge an. Gehen Sie von einem Werkzeug zum nächsten, bis die Aufgabe gelöst ist.
Möglicherweise legen die Zwischenergebnisse nahe,
dass Sie noch weitere Werkzeuge benutzen können, an die Sie
bisher nicht gedacht hatten. Nehmen Sie diese in Ihre Werkzeugkiste
auf.
Und was, falls Sie keine Lösung finden?
Im schulischen Bereich gibt es das beruhigende Wissen: Unlösbare Aufgaben werden nicht gestellt. Sie werden folglich bei konsequenter Anwendung der Lösungsverfahren mit Sicherheit die richtige Lösung finden können.
Wenn es hakt, gehen Sie zum Anfang zurück. Kontrollieren Sie noch einmal Schritt für Schritt alles nach. Schämen Sie sich nicht, Ihre Finger zur Hilfe zu nehmen, um einer Zeile Text nachzufahren, oder Informationen mit Bleistift abzuhaken - tun Sie alles dafür, sich die Aufgabe so leicht wie möglich zu machen.
© Barbara Seiler 2009 - www.in-formations.net
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