Lernprobleme und wie sie überwunden werden
Menschen sind
zum Lernen geboren: als kleine Kinder erarbeiten wir uns in
kürzester Zeit ein imposantes Repertoire
an Fähigkeiten: Wir lernen eine oder mehrere Sprachen
akzentfrei,
können immer präziser unseren Körper
steuern, kennen die
Umgangsformen und sozialen Codes...
Warum also funktioniert diese naturgegebene Fähigkeit
in der Schule nicht immer in befriedigendem Mass?
Es kann eine Vielzahl von verschiedenen Gründen
geben, warum das Lernen in der Schule nicht gelingt:
- Der Sinn des Lernens wird nicht
erkannt - wozu Mathematik und Fremdsprachen lernen, deren Kenntnis
keinen unmittelbaren Nutzen hat?
- Der Stoff wird nicht über jene Sinneskanäle
vermittelt, die dem Schüler entsprechen, und kann folglich
nicht behalten und nicht umgesetzt werden.
- mangelndes Selbstvertrauen: nach
einigen missratenen Lernversuchen glaubt
die Schülerin, dass sie grundsätzlich nicht
fähig sei zu
lernen: "Ich kann das nicht, ich verstehe das nicht, das ist zu
schwierig für mich." Somit wird schon gar nicht erst versucht,
einer kniffligen, aber lösbaren Aufgabe auf den Grund zu gehen.
- negative Emotionen
wie Wut, Versagensangst, Erinnerungen an peinliche und
demütigende
Erlebnisse im Zusammenhang mit schulischem Lernen nehmen jede Freude am
Lernen.
- Körperliche Reaktionen in
Lernsituationen
und Prüfungen wie Schweissausbrüche,
Nervosität,
Schlaflosigkeit, Zittern, Herzklopfen und eine versagende Stimme
verhindern, dass das Gelernte in der Öffentlichkeit oder vor
einer
Prüfungskommission gezeigt und umgesetzt werden kann.
- mangelnde mentale Disziplin führt zu Konzentrationsmangel,
sodass das Erarbeiten von wenig Inhalt sehr viel Zeit
benötigt.
Wenn das Lernen einer grossen Menge Stoff verlangt wird, erscheint die
Aufgabe so riesig wie der Mount Everest - völlig
unmöglich.
- In den öffentlichen Schulen wird selten Lerntechnik
systematisch vermittelt und geübt. Wer
sich nicht bewusst ist, wie das eigene Lernen am sinnvollsten und
effektivsten gestaltet wird, wird wenig Resultat bei viel Aufwand haben
- und der Frust vergrössert sich.
In der Zwischenzeit ist es nicht nur eine Tatsache der
Erfahrung,
sondern auch solide wissenschaftlich nachgewiesen: Lernen macht
glücklich. Wenn etwas geschieht, das besser ist als erwartet,
schüttet das Gehirn Botenstoffe aus, vor allem Dopamin - und
das macht glücklich.
Wenn allerdings jemand in einem Teufelskreis der Lernblockaden
steckt, kann dieser natürliche Zustand des Gern-Lernens nicht
optimal eintreten. Die undienlichen Lerngewohnheiten müssen
durch neue, bessere Gewohnheiten ersetzt werden - was nicht nur
für das Berufsleben je länger je wichtig wird,
sondern auch ein wesentlicher Bestandteil des persönlichen
Wohlbefindens ist.
Damit das Lernen wieder Freude macht, ist ein ganzheitlicher
Ansatz sinnvoll. Ganzheitlich bedeutet: Alles, was einen Menschen
ausmacht, wird in Betracht gezogen, und eine Vielfalt von Massnahmen
und Übungen tragen dazu bei, eine neue Bewusstheit und neue
Verhaltensweisen zu üben und zu verankern. Dazu
gehören:
- Sinnvolles Lernen: sich bewusst werden, wozu das aktuelle
Lernen gut ist
- Anwendung auf die Praxis: nicht die trockene Theorie
lernen, sondern an und mit der Anwendung lernen
- Mentale Blockierungen: Die Dinge, die ich über
mich selbst glaube, Schritt für Schritt verändern.
Nicht mehr "ich kann das nicht", sondern "ich bin fähig,
dieses Thema zu erarbeiten." Damit dieser Prozess nicht eine
oberflächliche Übung in positivem Denken bleibt, wird
er von realen Lernerfolgen begleitet, die systematisch sichtbar und
erlebbar gemacht werden.
- Lerntechnik und Lernmethoden: die Art des Lernens wird
hinterfragt und neue Methoden werden kennen gelernt. Dazu
gehört zum Beispiel:
- das
Schaffen von günstigen Rahmenbedingungen
- eine realistische,
sinnvolle Planung
- das Erarbeiten von
bestimmten Methoden wie der Arbeit mit Lernkarten
- die Freude am Lernen wieder neu erleben, indem Erfolge
betont werden und Wertschätzung erfahren
- das Lernen kurzweilig und spielerisch gestalten
- den Körper in den Lernprozess mit einbeziehen: die
verschiedenen Sinneskanäle Sehen, Hören,
Fühlen ansprechen und miteinander vernetzen.
- den Lernprozess durch Formen von Körperarbeit
unterstützen. Es ist nicht nur das Gehirn, das lernt, sondern
der ganze Körper ist daran beteiligt!
- die schon bestehenden Ressourcen und Fähigkeiten
bewusst machen und sie optimal nutzen.
- Humor: über sich selbst lachen zu können,
ist eine der wichtigsten Fähigkeiten überhaupt - und
lässt negativeren Emotionen, wie zum Beispiel der Scham,
keinen Raum. Es gibt nichts, wofür sich jemand
schämen müsste - es gibt nur Dinge, die jemand NOCH
nicht kann.
Durch eine konsequente und beständige Anwendung dieser
Prinzipien darf sich das Lernen Schritt für Schritt
verändern - bis es wieder Freude macht.
Weblinks