Das Lernen planen

Der ist jetzt eingerichtet, der Bleistift gespitzt, die Unterlagen sind aufgeräumt - jetzt kommt der zweite Schritt, nämlich: einen Plan aufzustellen! Mit einiger Übung benötigt dies nicht viel Zeit - fünf, zehn Minuten reichen dafür meist aus - doch es sind gut investierte Minuten.

Der erste Grundsatz, den es zu befolgen gilt, hat allerdings mit dem Planen selbst noch nicht allzu viel zu tun, mehr mit der eigenen Einstellung gegenüber dem Lernprozess, und der heisst:

Mut zur Lücke!

Viele Schüler, Studentinnen und Lernende generell stehen unter Druck. Es gibt viel zu lernen, und es scheint, dass am Ende der Zeit immer noch so viel Stoff übrig bleibt, der noch nicht so gut sitzt wie gewünscht und der noch nicht in der Tiefe verstanden wurde und der nur oberflächlich rasch hineingequetscht wurde. Diese Situation ist bedauerlich, aber leider oft nicht zu vermeiden, sondern ein fast obligatorischer Teil vieler Studiengänge. Damit muss man leben lernen, und es ist zu akzeptieren, dass das Ziel oft nicht heissen kann, den gesamten Stoff perfekt zu beherrschen, sondern eher: in der verfügbaren Zeit das beste zu machen, was eben gerade möglich ist.

Meist lohnt es sich, sich an den Grundsatz zu halten: weniger ist mehr. Lieber weniger Stoff lernen, den dafür gründlich; sich lieber dafür entscheiden, einige weniger wichtige Teile auszulassen, und dafür den Rest in die Tiefe bearbeiten, und das, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Etwas gut machen zu wollen ist eine schöne Sache, Perfektionismus, der erst bei einem absolut herausragenden Resultat zufrieden ist, kann sich äusserst negativ auswirken und jede Menge unnötigen Stress erzeugen.

Aus diesem Grund ist dieses Prinzip sehr wichtig:

Prioritäten setzen

Prioritäten setzen bedeutet in erster Linie, sich die richtigen Fragen zu stellen. Die da sein könnten:

Meist dürfte sich nach dem Beantworten dieser Fragen fast von selbst ein Lernplan ergeben - das Dringende, Wichtige wird zuerst gelernt, das weniger Wichtige und weniger Dringende kann später gelernt werden. Die Öffnungszeiten von Bibliotheken oder die Zeiten, wenn ein mit andern geteilter Computer genutzt werden kann, sind beschränkt - ebenso wie es nicht immer einfach ist, Termine für Lerngruppen mit MitschülerInnen zu finden.

fachliche Prioritäten, Termine und zeitlicher Aufwand

Als erstes kommen natürlich immer jene Dinge an die Reihe, die gleichzeitig fachlich wichtig sind und zeitlich dringend. An gleicher Stelle sind jene Themen, die zwar noch etwas weiter entfernt liegen, die aber nicht in einer Sitzung gelernt werden können, sondern die Wiederholung und Vertiefung benötigen. Diese Themen sollten auf jeden Fall in die "heute unbedingt erledigen"-Liste aufgenommen werden, auch dann, wenn ihnen nur wenig Zeit gewidmet werden kann. Tägliches, regelmässiges Arbeiten ist gerade bei umfangreichen Themen wichtig, denn solche Inhalte können unmöglich für die Prüfung ins Kurzzeitgedächtnis gequetscht werden, sondern sie müssen im Langzeitgedächtnis gespeichert werden.

Sympathie und Antipathie

Es kommt in jeder Ausbildung vor, dass einige Fächer oder Aspekte gern und rasch gelernt werden, und andere nicht. Die Antipathie kann unter Umständen extreme Formen annehmen, bis hin zu Aggression, Wutanfällen und ausgesprochen schlechter Laune. Die Versuchung ist also immer gross, sich auf die beliebten Fächer zu konzentrieren, und die unbeliebten Inhalte immer weiter hinaus zu schieben. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, eine Lernsitzung mit einem unsympathischen, nicht gern gelernten Inhalt zu beginnen, sodass das Unangenehme schnell erledigt ist und man sich nachher auf die schönen, angenehmen, erfreulichen Inhalte einstellen kann.

gemeinsam lernen

Für Lernmuffel und Leute, die unter Verschieberitis leiden, kann ein Termin mit einem StudienkollegInnen zum gemeinsamen Lernen wahre Wunder bewirken. Sinnvoll ist es, den Zeitrahmen und auch den zu besprechenden Stoff im voraus festzulegen - und sich dann auch auf das Lernen zu konzentiereren, und nicht auf Klatsch und Tratsch! Das gemeinsame Lernen bringt häufig auch Aspekte hervor, auf die man allein nie gekommen wäre.

den Plan notieren

Wenn der Plan steht, kann er aufgeschrieben werden: die Lerninhalte, die dazu voraussichtlich benötigte Zeit, die Reihenfolge der Inhalte. Und kann dann nach und nach abgehakt werden. Was auch immer eine gute Gelegenheit ist, sich selbst zu all dem schon Erreichten zu gratulieren. Die Zeiten werden besser zu grosszügig als zu knapp berechnet, gerade wenn es um Themen geht, die bisher noch grösstenteils fremd sind. Mit der Zeit wird es immer einfacher, den Aufwand genau abzuschätzen.

Lernformen

Die Fragen nach den Prioritäten sind beantwortet, eine Reihenfolge des Lernens wurde festgelegt, Termine wurden gefunden, der zeitliche Aufwand wurde vernünftig und nicht zu knapp geschätzt - auf diese Weise ist schon ein ganz brauchbarer Lernplan entstanden. Dieser kann nun weiter verfeinert werden, im Rahmen der Tagesplanung, indem verschiedene Lernformen berücksichtigt werden. Lernen, das muss nicht nur heissen, an einem Tisch zu sitzen. Lernen kann auf viele verschiedene Arten geschehen - und es ist sinnvoll, diese immer wieder mal abzuwechseln, zur Entlastung und Entspannung von Körper und Geist.

Lernen kann im Liegen, Sitzen, Stehen oder Gehen geschehen. Und warum auch nicht tanzenderweise, zum Beispiel, wenn ein grosses Lernplakat an der Wand aufgehängt wird und mit Hilfe der Körperbewegung gespeichert wird?

Lesen, das kann heissen:

Notizen machen, das kann heissen:

Abwechslung, das kann heissen:

Pausen

Zum Lernen gehören natürlich auch die Pausen, und die werden am besten so geplant, dass die vor der grossen Müdigkeit und Erschöpfung erfolgen. Das Lernen bringt oft eine immer gleiche Körperhaltung auf einem Stuhl mit sich, und die Pausen dienen dazu, den Organimus wieder etwas in Schwung zu bringen, durch ein bisschen Bewegung den Sauerstoffgehalt des Blutes zu erhöhen, etwas Kleines zu essen oder zu trinken, sodass das Lernen mit frischen Kräften und guter Konzentration weiter gehen kann.

Los geht's!

Der Plan ist erstellt, das Lernen kann losgehen! Nun ist die Zeit gekommen, sich vollständig auf den Stoff zu konzentrieren und einfach durchzuarbeiten, was man sich vorgenommen hat - ohne schlechtes Gewissen, wenn nicht alle Themen ihren Platz finden, ohne Zweifel darüber, ob der Plan nun ein guter oder ein schlechter ist... alles Weitere wird die Erfahrung zeigen.

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© Barbara Seiler 2008 - www.in-formations.net
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