spirituelle Bildung für alle!

Spirituelle Bildung - das Anliegen

Spirituelle Bildung, was ist das und warum ist sie wichtig?

Lebenskunst ist, im Hier und Jetzt im Frieden mit sich und der Welt zu sein

Lebenskunst:
hier und jetzt zufrieden sein

Die öffentlichen Schulen sind in vieler Hinsicht unbefriedigend. Viel Notwendiges wird nicht vermittelt, viel Überflüssiges gehört zum Lernstoff - das Ziel der Schule, nämlich die Kinder und Jugendlichen auf das Leben als Erwachsene vorzubereiten, wird zum grössten Teil nicht erreicht.

Notwendig wäre nicht in erster Linie eine Bildung mit dem Fokus auf den kognitiven Fähigkeiten, sondern eine Bildung, die tatsächlich für das Leben und am Lebendigen bildet, auf allen Ebenen: körperlich, emotional, mental und spirituell.

Die spirituelle Ebene bildet das Raster für die emotionalen, mentalen und körperlichen Ebenen; alles, was im Spirituellen verankert ist, wird in die dichteren Schichten durchsickern und sich früher oder später bis in die Materie hinein manifestieren.

Spirituelle Bildung ist das Anliegen, Kinder auf eine Weise zu erziehen und ihnen ein Umfeld zu bieten, in dem sie sich zu Menschen im besten Sinn des Wortes entwickeln können: zu Männern und Frauen, die offen, authentisch, kreativ, aufmerksam, liebevoll... sich selbst sind.

Es geht darum, dass Kinder das Handwerk zur Lebenskunst lernen.

was es nicht ist

Das Wort "spirituell" kann unter Umständen falsch verstanden werden - daher zuerst eine kleine Liste mit all dem, was nicht unter spiritueller Bildung verstanden werden soll:

Lebenskunst und wie man sie erkennt

Spiritualität ist die Kunst, gut zu leben. Es ist die Kunst, mit sich und der Welt im Reinen zu sein, unabhängig wie die äusseren Umstände sind.

Spiritualität ist, ja zu sagen zu sich selbst, zu seinem Leben - egal wie es ist. Es ist, mutig zu sein, ehrlich zu sein - vor allem zu sich selbst, aber auch zu andern Menschen. 

Spiritualität ist, in Fülle zu leben - die Sinne zu nutzen und zu kultivieren. Erfahrungen zu suchen und sich ab ihnen zu freuen. Stolz auf sich zu sein, wenn man die eigenen (vermeintlichen) Grenzen überschreitet.

Spiritualität, das ist, die eigene Angst zu überwinden und die eigene Grösse zu entdecken. Die Talente zu entfalten und zu üben.

Spirituelle Menschen - egal welcher Konfession - erkennt man an ihrer Gelassenheit, an ihrer Heiterkeit, an ihrem Humor in allen Lebenslagen. Es ist angenehm, in ihrer Nähe zu sein. Nur durch ihre Anwesenheit vermitteln sie ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit. Spirituelle Menschen sind verlässlich - ein Wort ist ein Wort. Spirituelle Menschen sind auch unberechenbar - sie gehen dorthin, wohin der Geist sie trägt, und dies ist oft überraschend, neuartig, fremd für jene, die sie kennen. Spirituelle Menschen können lachen, besonders über sich selbst, über ihre eigenen Ungeschicklichkeiten. Spirituelle Menschen freuen sich, wenn andere sich freuen, und sie haben Mitgefühl mit den Traurigen.

Spirituelle Menschen haben auch Probleme und erleben Krisen - doch sie zerbrechen daran nicht.

Es ist wichtig, dass unsere Kinder so spirituell wie möglich werden - unabhängige, selbständige, verantwortliche, liebevolle Menschen - denn es ist die einzig wirksame Vorbereitung auf die Unsicherheiten und Unwägbarkeiten des Lebens.

Spiritualität unterrichten - einige Ideen

Erzwungen und kontrolliert werden kann es nicht, dass Kinder sich zu spirituellen Menschen entwickeln; was hingegen kontrolliert und definiert werden kann ist der Unterricht in Techniken und Methoden, die einen Menschen darin üben, grösstenteils glücklich und in Frieden mit sich selbst zu sein.

Es ist wichtig, den ganzen Menschen anzusprechen - also die Fokussierung auf die rein kognitive Ebene der Gedanken zu verlassen, und mit gleicher Priorität die Emotionen anzusprechen, das Fühlen und Wahrnehmen, und das Nachdenken und Nachfühlen zum Sinn des Lebens und dem Sinn des eigenen Tuns

Hier eine kleine Auswahl solcher Werkzeuge - es gibt noch viel mehr, die Liste kann fast beliebig verlängert werden.

Körperwahrnehmung: Nur wer sich gut fühlt, kann sich gut fühlen, hiess es in einem Channel von Tobias. Anders gesagt: nur wer seinen eigenen Körper klar und differenziert wahrnimmt, wird auf lange Sicht Wohlbefinden erleben. Alle Arten von Sport, Qi Gong, Yoga, Tai Chi, im Wald Hütten bauen, Bäche stauen, Kochen, Essen, Baden, Tanzen, Singen, Zeichnen, und alle anderen körperlichen Aktivitäten helfen dabei, sich selbst besser kennen zu lernen:wie gross, wie breit bin ich? Wo fange ich an, wo höre ich auf? Welche Töne kann ich hören, welche Geschmäcker kann ich schmecken, wie weit kann ich springen, wie gut ist mein Gleichgewicht? Wie beweglich bin ich? Wie stark bin ich? Alle Lebenskunst beginnt damit und hört damit auf, sich im eigenen Körper wohl zu fühlen - wie auch immer dieser Körper ist, mit seinen Stärken und Schwächen. Spiritualität ist, seine Schönheit zu erkennen und zu ehren. Ein Tempel des Heiligen Geistes, das soll unser Körper sein, meinte Paulus. 

Emotionaler Ausdruck: Mensch sein bedeutet zu kommunizieren, und die erste Kommunikation ist zum Thema: wie geht es mir? Was gefällt mir, was missfällt mir? Die Anfänge der menschlichen Sprachen liegt in den Tiersprachen - die alle Sprachen mit wenig Abstraktem und sehr viel emotionalem Gehalt sind. Allgemein verständliche Sprachen, ein Schmerzschrei ist über alle Spezies hin verständlich, ein wütender Schrei eben so. Kleine Kinder verstehen es praktisch seit ihrer Geburt, Tiere verstehen es; einige Hinweise deuten darauf hin, dass sogar Pflanzen es verstehen, die Befindlichkeiten von Tieren und Menschen zu verstehen, auf welche Art das auch geschehen mag. Da wir Menschen eine differenzierte abstrakte Sprache haben, so haben wir auch die Möglichkeit, unsere Befindlichkeit mit grösster Genauigkeit mitzuteilen - wenn wir denn gelernt und geübt haben, wie es geht. "Es geht mir gut" - ja, aber was bedeutet das, es geht mir gut? Satt, fröhlich, zufrieden, lustig, aufgestellt, voller Energie und Tatendrang, stolz auf eine gute Leistung, träge und gemütlich als Coach Potatoe, verliebt, überschwänglich oder auf welche Art geht es gut? Die Fähigkeit, das eigene Befinden zu erkennen und mitzuteilen, sich selbst und anderen, ist ein Grundstein dafür, im gegebenen Fall Massnahmen zu dessen Änderung zu ergreifen.

Die Massnahmen der emotionalen Ebene sind: Körpersprache lesen und sich selbst bewusst werden; die Stimme einsetzen, ihre Varianten, ihre Töne; Ausdruck in der Kunst, der Musik, der Malerei, in allen Tätigkeiten sich selbst hinein legen: Rituale, die dazu dienen, die Emotionen zu stabilisieren und in gewisser Weise zu programmieren und in gewünschte Richtungen zu lenken: Dankbarkeit, Freude, Schönheit.

Gedanken - die mentale Seite ist die nächste Ebene. Das, was wir denken, bestimmt unser Handeln und unsere Welt. Notabene, nicht das, was wir einmal oder zweimal denken, sondern das, was wir täglich, stündlich, minütlich denken, das erschafft unsere Realität, sowohl innerlich wie äusserlich. Wer seine Gedanken disziplinieren lernt und ordnen lernt, wird auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf bewahren, das Notwendige tun, Chancen als solche erkennen und - hoffentlich - ergreifen.

Richtig zu denken, das ist das, was noch am ehesten in den Schulen gelehrt und gelernt wird: Regeln zu erkennen und anzuwenden; Genauigkeit in den Begriffen; logische Zusammenhänge verstehen; das Allgemeine auf das Konkrete übertragen.

Der Sinn des Lebens - die spirituelle Ebene ist sehr wichtig, denn es handelt sich hier um unseren Kompass. Ein Mensch, der sein Leben als sinnvoll empfindet, hat ein Ziel, auf das er zusteuern kann und das ihm Orientierung gibt. Dieses Ziel ist es, das all seine Handlungen und Gedanken leitet; dieses Ziel ist es, das ihm einen Massstab gibt, anhand dessen er beurteilen kann, ob er sich auf dem richtigen Weg befindet oder nicht.

Sinnfragen fordern uns heraus: was macht Freude, was lässt das Herz singen, was begeistert? Unser Spirit, unsere Begeisterung ist etwas, was sich in der Regel leicht erkennen lässt, wenn man sich selbst oder einen andern Menschen während einer gewissen Zeit beobachtet - wenn man nur den Mut hat, dazu zu stehen und danach zu leben. Mut, das zu tun und zu sagen, was schon immer als klares Wissen in uns steckt. Fragen wie "was willst du tun? was kannst du gut? was freut dich?" helfen dabei, das zu entdecken, wohin Spirit uns führen will.

Spiritualität und Religion - warum sie manchmal vermischt werden

Spiritualität ist individuell; es geht um den Weg jedes einzelnen Menschen, seine Kämpfe, sein Gewissen, seine Entscheidungen; wohingegen Religion allgemeine Regeln vermittelt, die für alle gelten und die oft gewisse Glaubenssätze voraussetzen. Also: zwei ganz verschiedene Dinge.

Allerdings sind es die Religionen der Welt, die viele Werkzeuge und Methoden erarbeitet haben, wie ein Mensch zu seinem Spirit, zu seinem Selbst findet: die Rituale, Ernährungsvorschriften, Lebensweisen, Gebete und Feste dienen in vielen Fällen dazu, einen Menschen zur Erkenntnis seiner selbst zu führen. Und viele dieser Werkzeuge sind nach wie vor wertvoll und interessant für uns, und sie können ohne weiteres auch ohne den religiösen Kontext benutzt werden. 

"Ora et labora", bete und arbeite, empfahl der Heilige Benedikt seinen Mönchen, und hält in seiner Regel genau fest, was er darunter versteht: ein geregeltes, geordnetes Leben, mit Respekt gegenüber den Mitgliedern der Gemeinschaft, mit massvoller Ernährung, Mässigkeit in allem - wozu auch gehört, mit Mass über die Stränge hinauszuschlagen, hin und wieder - und man kann feststellen, dass das Leben im Kloster gesund sein muss: viele Mönche und Nonnen werden steinalt und sehen oft jünger aus als ihr Alter. 

Spiritualität muss nicht religiös sein - doch die Religionen haben als Kernkompetenz die Spiritualität, wo sie trotz aller Irrungen und Wirrungen enorm gute und reiche Arbeit geleistet haben. Wir Heutigen, auch wenn wir mit institutioneller Religion möglicherweise nicht viel anfangen können, sollen uns nicht schämen, uns in diesem Fundus zu bedienen und uns dieser Werkzeuge anzueignen. Und, natürlich, diese den Kindern zu vermitteln, so dass die Suche nach ihrem Spirit - ihrem Wesen, ihrem Selbst - nicht zu einer Sucht nach einem Ersatzstoff abrutschen muss. 

Spirituelle Bildung für alle ist wichtig, denn ein grosser Teil unserer Probleme stammt daraus, dass der Spirit fehlt - dass Sinn und Ziel im Leben fehlen. Wer schon als Kind die Werkzeuge übt und trainiert, nach dem Sinn zu fragen und Antworten zu bekommen, wird als Erwachsener besser gerüstet sein für das Leben als jemand, der dies nicht übte.

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© Barbara Seiler 2010 - www.in-formations.net
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