Rahmenbedingungen für produktives Lernen

Gute Rahmenbedingungen sorgen nicht in erster Linie dafür, dass jemand besser lernen kann; sie sorgen im Gegenteil dafür, dass das Lernen so wenig wie möglich behindert wird. Gute Rahmenbedingungen sorgen dafür, dass Konzentration und der Fokus auf den Lernstoff vorhanden ist und die eigenen Fähigkeiten voll ausgenutzt werden können.

persönliche Rahmenbedingungen

Lernen ist Schwerarbeit - das Gehirn benötigt enorme Mengen an Energie: obwohl sein Gewicht nur gerade 2% des Körpergewichts ausmacht, benötigt es 20% der vom Körper verbrauchten Energie. Wer gut lernen will, braucht also täglich mindestens eine solide, warme Mahlzeit mit allen notwendigen Vitalstoffen, genau wie jemand, der schwer körperlich arbeitet. Hunger und Lernen, das geht nicht zusammen.

Ganz generell unterstützt körperliches Wohlbefinden die Konzentration: wer ausgeschlafen, ausgeruht, fit und erholt ist, lernt besser als wer müde, ausgelaugt und erschöpft ist. Eine zusätzliche Stunde Schlaf bringt oft mehr fürs Lernen, als eine zusätzliche Stunde über den Büchern zu brüten.

der Raum

Lernumgebungen können sehr verschieden sein. Es gibt Menschen, die absolute Ruhe benötigen, während andere etwas Gemurmel im Hintergrund oder klassische Musik anregend finden; einige können sehr gut im Sommer draussen im Garten lernen, andere benötigen eine weisse Wand vor sich, um nicht abgelenkt zu werden.

Dennoch gibt es einige Grundsätze, die in jedem Fall beachtet werden sollten:

Licht

Der Arbeitsplatz soll gut beleuchtet sein, doch auf eine Weise, dass das Licht nicht blendet. Die Beleuchtung durch Sonnenlicht ist optimal; wo eine Beleuchtung durch die Sonne nicht möglich ist, soll eine gute künstliche Lichtquelle gewählt werden. Gerade Neonlampen werden häufig schlecht vertragen. Oft ist schon eine klassische Glühbirne besser geeignet, doch es gibt im Fachhandel auch eine Auswahl an Speziallampen, deren Licht dem Sonnenlicht ähnelt. Ein zu dunkler Arbeitsplatz ermüdet unnötig und sollte vermieden werden.

Lärm

Es gibt Menschen, die mit praktisch jedem Lärmpegel arbeiten können - solange er konstant ist. Ein plötzlicher Wechsel von laut und leise lenkt aber auf alle Fälle ab. Von klassischer Musik wird gesagt, dass sie die beiden Gehirnhälften verknüpft, sodass schöpferisch-kreative und die intuitiv-rationale Aspekte ideal miteinander zusammen arbeiten können. Doch wählen Sie lieber die plätschernde Chill-Out-CD, nicht die dramatischen Opern-Ouverturen. Manche Kinder können gut am Küchentisch lernen, während Papa das Essen zubereitet und nebenher die Geschwister basteln - in anderen Familien funktioniert das gar nicht. Es gibt Studenten, die die ruhige, arbeitsame Atmosphäre der Unibibliothek schätzen, andere lernen besser in einem belebten Café mit seinem Stimmengewirr. Finden Sie heraus, welche Umgebung Ihnen am meisten liegt!

Luft

Das Gehirn ist auf eine reichliche Sauerstoffzufuhr angewiesen - Mief behindert das gute Funktionieren. Lüften Sie regelmässig, gehen Sie immer wieder für kurze Zeit ins Freie, machen Sie ein paar leichte Gymnastikübungen, tanzen Sie zu einem rockigen Musikstück, gehen Sie ein Stück zu Fuss, tanken Sie Sauerstoff!

der Arbeitsplatz

Ein gut eingerichteter Arbeitsplatz ist bequem, aber nicht allzu bequem. Wenn Stuhl und Tisch durch ihre Grösse und Einrichtung eine beständig verkrampfte Haltung erzwingen, so wird die Konzentration und der Lernerfolg dadurch behindert. Beständig angespannte oder gar verkrampfte Bewegung erlauben dem Blut nicht, frei durch alle Gewebe zu fliessen und sie ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Sehr oft betreffen diese Anspannungen das Gebiet von Schultern und Nacken, sodass der Kopf unter einer ständigen Unterversorgung an Blut, Sauerstoff und Nährstoffen leidet.

Oft reichen einfache Mittel wie Sitzkissen, ein Fussschemel oder ein Sitzball aus, um diese dauerhaften Fehlhaltungen zu vermeiden. Gerade Sitzbälle sind föderlich, um den Körper beständig in leichter Bewegung und aktiver Balance zu halten. Hin und wieder eine kurze Massage der Schultermuskeln, aber auch der Füsse, kann regelrechte Wunder an neuer Frische und Entspannung bringen.

Ein mittelalterlicher Mönch an seinem Schreibtisch

eine schräge Fläche ist ergonomisch sinnvoll
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Eine allzu bequeme Lernumgebung im kuscheligen Sessel hingegen verleitet zu Trägheit, Müdigkeit oder gar zum Schlafen. Auch ist es in solche bequemen Sesseln oder Sofas nicht möglich, das Arbeitsmaterial vor sich auszulegen und schnell auf alles Notwendige zuzugreifen.

Lernen muss nicht notwendigerweise an einem Tisch stattfinden. Warum nicht einmal auf den Boden sitzen, wo grosszügig viel Platz vorhanden ist, um alles Material rund um sich auszubreiten? Oder Vokabeln von Kärtchen beim Gehen lernen, entweder im Haus, oder auf einem ruhigen Weg? Ergonomisch sinnvoll waren auch die schrägen Flächen der mittelalterlichen Schreibpulte - wenn Sie handwerklich begabt sind, dürfte es nicht allzu schwierig sein, sich einen solchen Aufsatz herzustellen. 

der Arbeitstisch

Seien Sie grosszügig mit der Tischfläche! Wer das Lernmaterial weiträumig ausbreiten kann, wird es sich auch eher erlauben, den eigenen Geist auszudehnen und somit schneller und besser zu lernen. Eine helle Tischoberfläche, die das Licht reflektiert, kann dazu beitragen, dass es mehr Licht hat und die Augen weniger schnell ermüden als bei einem dunklen Tisch.

Achten Sie darauf, dass auf dem Tisch nur das liegt, was zum Lernen wirklich benötigt wird, und nicht mehr. Es ist lästig und lenkt ab, wenn Sie immer wieder aufstehen müssen, um noch ein vergessenes Buch, noch einen Stift, noch ein Blatt Papier zu holen - achten Sie darauf, dass alles Material griffbereit in der Nähe ist, sodass Sie sich auf die vorliegende Lernaufgabe konzentrieren können. Vermeiden Sie hingegen einen überladenen Tisch. Es ist schwierig, Ordnung in die Gedanken zu bringen, wenn auf dem Tisch noch Stapel von Papieren liegen, oder Ständer mit Fotos, oder Dekorationen, oder persönliche Erinnerungen... alle Gegenstände, die nicht unmittelbar etwas mit der Lernaufgabe zu tun haben, lenken ab.

Der Modeschöpfer Karl Lagerfeld hat diese Methode bis ins Extrem getrieben. Er hat seinen Arbeitstisch bewusst vor einer weissen Wand platziert. Er erklärte, dass er von allem, was er sehen könnte - sei es eine Aussicht aus dem Fenster, oder ein Bild an der Wand - beeinflusst werden würde, was er nicht wünsche. Wenn er aber auf eine weisse Wand schaut, so kann er sich vollständig auf die Zeichnungen einlassen, die geschaffen werden wollen.

Stift, Papier, Lineal, Heft... das Material

Jeder Handwerker, der etwas von sich hält, ist stolz darauf, das beste Werkzeug zu besitzen, und pflegt es liebevoll. Lernende sollten das genau gleich halten! Kratzende Füllfedern, auslaufende Kugelschreiber, abbrechende Bleistifte, nicht mehr schreibende Filzschreiber, schmierende Radiergummis, stumpfe Bleistiftspitzer und löchrige Unterlagen sorgen für einen beständigen Stresspegel, der nicht sein muss. Bleistifte von passender Härte und guter Qualität, neue Filzstifte, angenehm zu beschreibendes Papier sind ein Zeichen der Wertschätzung für sich selbst und für den Lernprozess, auf den Sie sich eingelassen haben.

Die Pflege des Materials kann als kleine Pausenmeditation genutzt werden - sorgfältig einen Bleistift zu spitzen, sodass er so scharf wird wie der lernende Verstand, ist eine höchst angenehme, erfreuliche und inspirierende Pause vom eigentlichen Lernen. Das Wechseln der Tintenpatrone ist vom erfreulichen Gefühl begleitet: Jetzt habe ich schon so viel geschafft, ich komme vorwärts! - ein jungfräulich weisses Blatt Papier zu wählen und vor sich hinzulegen verleiht dem Geist Offenheit für alles, was da kommen mag. Etwas lernen zu dürfen, ist eine Freude und ein Privileg - und das darf sich bis in die kleinsten Details manifestieren. Es lohnt sich, in gutes Material zu investieren - denn ein Bleistift oder Farbstift wird während langer Zeit benutzt, sodass die Kosten auf lange Frist kaum ins Gewicht fallen. Ebenso ist es bei allen Materialien guter Qualität möglich, einzelne Stifte im Fachhandel nachzukaufen, während Billigprodukte häufig nur im Set erhältlich sind.

Leib und Seele zusammenhalten

Was auch noch auf jeden Arbeitsplatz gehört, ist ein Glas Wasser oder eine Tasse Tee und etwas zu knabbern. Eine beständige, regelmässige Zufuhr an Flüssigkeit hilft dabei, die Körperflüssigkeiten in Bewegung zu halten und somit dem Kopf eine optimale Energiezufuhr zu gewähren. Kleine Knabbereien sorgen für die Nährstoffzufuhr. Ideal sind getrocknete Früchte und Nüsse - also das klassische Studentenfutter - es darf aber auch mal ein Stück Schokolade sein, das den Glückshormonen einen kleinen Kick gibt. Bevorzugt werden sollen Dinge, die einfach zu essen sind, die nicht krümeln und die keine Flecken hinterlassen können, sodass die Konzentration beim Lernstoff bleiben kann, und nicht auf die Tätigkeit des Essens und Trinkens ausweichen muss.

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© Barbara Seiler 2008 - www.in-formations.net
Dieser Text darf unter Hinzufügung dieser Fussnote gerne weitergegeben werden.